Chronik

30.04.2016: Jennifer Nathalie Pyka  veröffentlicht auf der „Achse des Guten“ den Artikel „Die Protokolle des AfD-Weisen vom Bodensee“. Wie kam es dazu? „Darum grenzt es an Zufall, dass ich mich jüngst auf der Website des frisch gewählten AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon aus Konstanz verirrte.“

01.05.2016: Der Tagesspiegel schreibt über den AfD-Parteitag. Darin wird Gedeon ausführlich erwähnt, insbesondere sein gescheiterter Versuch, in Form einer one-man-show das komplette Parteiprogramm ganz alleine zu schreiben. Schon auf den Punkt gebracht: „Gedeons Programmantrag passt niemandem ins Konzept. Er sei auf einem Ego-Trip, so etwas könne die Partei nicht mehr gebrauchen, heißt es, sobald man seinen Namen auch nur erwähnt. Gedeon sieht das naturgemäß anders.“ Der Antisemitismus oder „Antizionismus“ seiner Bücher ist noch kein Thema. Er kam auch in seinem Programmantrag nicht vor.

10.05.2016: „Netz gegen Nazis“ fragt „Wie antisemitisch ist die AfD?“  Der Abschnitt „Holocaustleugnung als deutsche Freiheitsbewegung?“ befasst sich mit Gedeons „Grünem Kommunismus“

04.06.2016: FAZ:  „Antisemitismus der AfD- Im Eiferer-Modus gegen Juden“

21.06. 2016: der  erste Versuch, die Affäre zu beendet, schlägt fehl. Meuthen hat seine Mehrheit für den Ausschluss nicht beisammen. Die Entscheidung wird bis September auf die lange Bank geschoben und damit in die Endphase der Landtagswahlkämpfe von Berlin und NRW. Ein Kommunikationsgau. Gedeon verkündet, seine Fraktionsmitgliedschaft „ruhen zu lassen“. In den folgenden Tagen wird der Landtag darauf aufmerksam machen, dass so was gar nicht geht. Die Minderheit der Querköpfe hat sich so weit durchgesetzt, dass drei Gutachten eingeholt werden, die den Antisemitismus von Gedeon belegen sollen. Politisch verantwortungslos. Und (wie der weitere Verlauf der Dinge zeigen wird) eine Luftnummer. Nachdem zwei von drei Gutachten vorliegen und den Antisemitismus belegen, wird am 5.7. die Fraktion gesprengt. Der Tagesspiegel berichtet.

22.06.2015: die FAZ veröffentlicht ein Interview mit dem Antisemitismusforscher Marcus Funck. Er meint: „Jede Partei, die sich dem Grundgesetz und der politischen Kultur Deutschlands verpflichtet fühlt, müsste auch ohne externe wissenschaftliche Expertise zu dem Schluss kommen, dass es sich bei den Passagen in Gedeons Werk um eine eindeutige antisemitische Positionierung handelt. Man kann da nur eine ganz scharfe rote Linie ziehen.“ und bietet sich dennoch als Gutachter an.

23.06.2016: Der Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume veröffentlicht einen lange Ausarbeitung über Gedeons Texte, insbesondere mit umfangreichen Zitaten aus der Trilogie. Sein Fazit: „Wenn all das kein Antisemitismus sein soll – was ist dann noch antisemitisch?“

24.06.2016: Marc Jongen, stv. Landesvorsitzender der AfD-Baden-Württemberg veröffentlicht in der Jungen Freiheit einen langen Artikel zur Gedeon-Affäre („Nun sag, AfD, wie hast du’s mit dem Judentum?“), den ich dringend zur Lektüre empfehle. Sein Fazit: „Wenn die Partei es zuläßt, daß das deklariert antijudaistische, vulgo antisemitische, Weltbild eines Wolfgang Gedeon Teil ihres akzeptierten Meinungsspektrums wird, dann wird sich das Gift der Judenfeindschaft durch all ihre Positionen untergründig hindurchfressen. Nie wieder wird sie dann die leiseste Kritik an der Siedlungspolitik Israels, an der Machtpolitik der USA oder an den schädlichen Wirkungen des internationalen Finanzkapitals äußern können, ohne sofort und aufs Heftigste antisemitischer Hintergedanken bezichtigt zu werden – und zwar in diesem Falle auch zurecht! Undenkbar, gewisse grundgesetzwidrige Erscheinungsformen des Islams in Deutschland noch glaubhaft in die Schranken zu weisen mit einem Wolfgang Gedeon im Hintergrund, der den Islam in engste Verbindung zum „Judaismus“ bringt und im Kampf gegen beide die große Kontinuität abendländischer Geschichte sieht.“

05.07. 2016: entgegen der ursprünglichen Planung, erst nach der Sommerpause über den Ausschluss Gedeons aus der Landtagsfraktin zu befinden, kommt es überraschend zu einem vorzeitigen Showdown: Meuthen bekommt eine Mehrheit für den Ausschluss Gedeons, aber nicht die nötige Zweidrittelmehrheit. Ein harter Kern von politischen Geisterfahrern in der AfD versucht, Meuthen vorzuführen. Der lässt sich aber nicht vorführen und macht seine Drohung war: er tritt aus der Fraktion aus. Und die Mehrheit der Mitglieder mit ihm. Berichte darüber z.B. in der Jungen Freiheit.

13.07.2016: der Landtag von Baden-Württemberg diskutiert in seiner 9. Sitzung im Rahmen einer aktuellen Stunde über den Fraktionsbruch. Die „Altparteien“ gießen verdienten(!!!) Hohn und Spott über die beiden AfD-Gruppen aus und geißeln den politischen Kindergarten. Den Video-Mittschnitt davon gibt es in der Mediathek des Landtags. Auffällig ist der 2-minütige Redebeitrag von Gedeon, der sich allen ernstes vor den Landtag stellt (Video ab 56:23) und behauptet, wer sein Buch nicht durchgelesen hat, habe gar nicht das Recht sich über ihn und sein Buch moralisch zu entrüsten.

13.07.2016: im Rahmen der Landtagsdebatte verkündet Prof. Meuthen, dass der AfD-Landesvorstand Baden-Württemberg am Dienstag abend, also am Vorabend, das Ausschlussverfahren gegen Gedeon beschlossen hat. Im Landtag muss er sich dafür Vorhaltungen anhören, warum das so lange gedauert hat. Berichterstattung z.B. im „Spiegel„. Die Gedeon-Affäre ist jetzt zweieinhalb Monate alt. Zur Frage, ob es angemessen ist, dass jetzt erst der Ausschluss beschlossen wurde, siehe hier.