Anders Breivik und Israel

Es gibt wohl kein Thema, bei dem Gedeon es nicht irgendwie schafft, einen Seitenhieb auf Israel, den Zionismus oder „die Juden“ einzubauen. Im Kapitel 1.5 des Grünen Kommunismus („Die Medien als Agitprop-Truppe des linksgrünen Zeitgeists“) vergleicht er die Reaktionen der Presse auf linken bzw. rechten Terror. Er stellt sich auf den Standpunkt, dass linker Terror in den Medien nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die nötig wäre, während einzelne Fälle rechten Terrors in den Medien schnell verallgemeinert würden. Eine Ansicht. die zunächst einmal, ganz allgemein gesprochen, rechts der Mitte eine gewisse Verbreitung hat.

Merkwürdig wird es aber dann, wenn Gedeon dazu als Illustration den Fall des norwegischen Attentäters (Gedeon: „norwegischer Psychopath“) Anders Behring Breivik (Wikipedia) verwendet, dessen Namen er konsequent falsch als „Breivich“ wiedergibt.

Breivik „christlicher Fundamentalist“?

Gedeon führt aus:

Nicht zuletzt unter Verweis auf das von ihm als Symbol benutzte Tatzenkreuz, wird Anders Breivich in allen Medien als Gewaltverbrecher mit christlich-traditionalistischem Motivationshintergrund präsentiert.

Diese (falsche) Einordnung der Attentate konnte man in der Tat finden, aber sicherlich nicht bei „allen Medien“. Eine kleine Auswahl:

  • Huffington Post: „Christians have done terrible, inexcusable things. When we do, bring us to account. But Anders Breivik is not a Christian fundamentalist. He’s a European fundamentalist.“
  • FAZ: „Als christlicher Fundamentalist kann Anders Breivik nicht gelten. Das ihm vorschwebende, ideale Christentum hat für ihnen keinen religiösen Zweck, sondern vor allem den, als kulturelle Klammer für ein wehrhaftes Abendland zu dienen.“
  • The Guardian: „…has been described as a fundamentalist Christian. Yet he published enough of his thoughts on the internet to make it clear that even in his saner moments his ideology had nothing to do with Christianity but was based on an atavistic horror of Muslims and a loathing of „Marxists“, by which he meant anyone to the left of Genghis Khan.“

Exkurs: Breiviks Ansichten über den christlichen Glauben

Auch mir ist es wichtig, deutlich zu machen, dass Breivik kein christlicher Fundamentalist ist. Ich lasse mir meiner Religion nicht anhängen, dass Breivik einer von uns wäre. Und man kann dies auch sehr einfach an Breiviks „Manifest“ erkennen. (Selber googlen, auf das Manifest verlinke ich nicht.) In Abschnitt 3.139 führt er aus:

„If you have a personal relationship with Jesus Christ and God then you are a religious Christian. I and many more like me do not necessarily have a personal relationship with Jesus Christ and God. We do however believe in Christianity as a cultural, social, identity and moral platform. This makes us Christian.“,

womit er das wesentliche Kriterium von christlichem Fundamentalismus nicht erfüllt, nämlich die „persönliche Beziehung zu Jesus Christus“. Christlicher Fundamentalismus ist natürlich noch enger gefasst, aber das ist für christliche Fundamentalisten eine conditio sine qua non. Ohne diese Lehre zu vertreten, kann man kein christlicher Fundamentalist sein. Und Breivik teilt sie nicht. Er selbst betrachtet das Christentum vielmehr als eine kulturelle, soziale und moralische Plattform, die darüber (europäische) Identität stiftet.

Im Vergleich dazu: Gedeons Einordnung von Breivik

Auch Gedeon will sich von Breivik distanzieren. Er geht aber einen anderen Weg. (Ich überspringe eine Diskussion über Freimaurer und die Tempelritter.)

Mit christlicher Tradition hat der Norweger damit freilich nichts zu tun, was noch deutlicher wird, wenn man weiß, dass er Israel bewundert und seine besonderen
Vorbilder in Winston Churchill und in Machiavelli sieht, die man beide auch nicht gerade als christliche Protagonisten betrachten kann. Es ist üble Demagogie, wenn uns von den
Medien hier ein Freimaurer, Churchill-Verehrer und Israelbewunderer als »christlicher Fundamentalist« präsentiert wird. Von einer ausgewogenen Berichterstattung, zu der zumindest die öffentlich-rechtlich finanzierten Medien verpflichtet wären,
kann hier nicht mehr gesprochen werden.

Nun sind Churchill und Machiavelli in der Tat keine christlichen Protagonisten. Aber das schlagende Argument für Gedeon ist Breiviks pro-israelische Position, eine Unterstützung, auf die Israel gut und gerne verzichten kann.  Aus Breiviks Manifest z.B. (Seite 943 der PDF-Version:

„Israel is at the forefront of global Jihad. If Israel falls, then all the forces currently targeting Israel (Islamic Jihad, Hamas, Hezbollah, Muslim Brotherhood financed by Saudi, Iran etc.) will start to focus full-heartedly on Europe.“

Für Gedeon steht fest: wer Israel bewundert, kann kein „christlicher Fundamentalist“ sein. Und noch schärfer: der hat „nichts mit christlicher Tradtion zu tun“.

Mein Fazit

Ich meine daher, dass Gedeons an anderer Stelle abgegebenes Bekenntnis zum Existenzrecht Israels ein reines Lippenbekenntnis ist. Für Gedeon ist ein positives Bild von Israel für Christen schlichtweg unvorstellbar. Dies deckt sich der in seinen Büchern vielfach geäußerten Ablehnung des Zionismus.

Am Rande: Gedeon könnte/sollte auch wissen, dass in christlich-fundamentalistischen Kreisen die Unterstützung für Israel weit verbreitet ist. Und nach dem, was Deutschland den Juden im 20. Jahrhundert angetan hat, steht es Deutschland auch gut zu Gesicht, gute Beziehungen zu Israel zu unterhalten.

Zum Schluss möchte ich die „philosophische Leistung“ Gedeons in diesem Abschnitt noch einmal herausstellen: in ein und demselben Absatz legt er ausgehend von Breivik dar, dass es seiner Meinung nach verwerflich sei, Israel zu bewundern. Der Leser bleibt spachlos zurück.