Die Alliierten sind schuld am Zweiten Weltkrieg

Breiten Raum nimmt für Dr. Gedeon die Frage nach dem zweiten Weltkrieg ein. In Kapitel 5.2 in Band II der Trilogie widmet er dieser Frage 40 Seiten. Die einzelnen Themen decken sich mit dem, was in den von Gedeon als Quellen genannten Büchern rechtslastiger Autoren üblicherweise behandelt wird. Wer schon einmal mit Vertretern des Geschichtsrevisionismus (Wikipedia) zu tun hatte, entdeckt hier nicht viel neues, dafür aber viel Vertrautes.

Schon der Einstieg in das Thema ist steil. Es geht um die Kriegsschuld. (Seite 157)

Gerlinde Wolf: Ist Hitler-Deutschland allein schuldig am Zweiten Weltkrieg oder ist es nur der Hauptschuldige und tragen andere eine Mitschuld?

W.G.Meister: „Allein schuldig“ sicherlich nicht, und auch die Frage der Hauptschuld scheint mir nicht so eindeutig, wie es die offizielle, im wesentlichen vom Zionismus diktierte Version vorgibt.

Das ist krass. Nicht nur die Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg wird hier bestritten. Sogar die Hauptschuld wird in Frage gestellt. Und wer an der heute gängigen Auffassung dieser Hauptschuld oder gar Alleinschuld Deutschlands schuld ist, ist für Gedeon auch klar: die Zionisten, also ein Kreis von politisch und/oder wirtschaftlich einflussreichen Juden. Das allein ist eine Aussage, mit der man sich in Deutschland ins politische Abseits katapultiert.

Gerlinde Wolf fragt danach (Seite 157)

„Wer ist dann der Hauptschuldige?“,

Worauf W.G.Meister ein langes Zitat von Harry E. Barnes liefert. Dieses endet mit

„Wenn sich nämlich dieses Grunddogma nicht aufrecht erhalten läßt, wird der Zweite Weltkrieg zum größten Verbrechen der Geschichte … einem Verbrechen, das zur Hauptsache auf England, Frankreich und den Vereinigten Staaten lastet.“

Also: nicht Deutschland ist am Zweiten Weltkrieg Schuld, sondern die Alliierten. (Zitiert wird übrigens nicht direkt Harry Barnes, sondern aus Quelle 31, einem Buch von Rudolf Czernin, aus dem Gedeon viel zitiert. Mehr über diesen Autoren hier.)

Harry Barnes wird von Gedeon als „renommierter amerikanischer Geschichtsprofessor“ eingeführt. Diese Darstellung ist nicht richtig und sie ist hochproblematisch.

Barnes ist 1889 geboren. Und über sein Wirken nach dem Zweiten Weltkrieg heißt es in der Wikipedia:

„By the end of the 1950s however, he had lost credibility because of his anti-Semitism and for the major role he played in the inception of the holocaust denial movement.“

Die englische Wikipedia hat (anders als die deutsche) einen langen Abschnitt, der die Holocaustleugung von Barnes im Detail nachzeichnet.

Die weiteren Ausführungen Gedeons entwickeln sich in den zu erwartenden Bahnen revisionistischen Geschichtsverständnisses;: Versailles, Kolonien, Gebietsabtretungen, Reparationsforderungen. Die Bewertung des ganzen durch Gedeon ist dann diese (Seite 158)

Gerlinde Wolf: Hitler wäre also ohne Versailles nicht möglich gewesen.
W.G.Meister: Sie werden kaum einen Historiker finden, der dem nicht zustimmt.

Diese Aussage könnte man noch stehen lassen. Aber jetzt kommts knüppeldick:

Gerlinde Wolf: Dann würde sich allein daraus eine enorme Entlastung der Deutschen in der Schuldfrage des Zweiten Weltkriegs ergeben.
W.G.Meister: Diese Konsequenz zieht die Mehrheit vor allem der deutschen Historiker noch nicht.

Und das geht so nicht an. Das ist das Niveau einer Auseinandersetzung auf dem Schulhof in einem sozialen Problemviertel. „Herr Lehrer, ich konnte nicht anders, ich musste zuschlagen, der hat mich provoziert“. Angesichts von rund 60 Millionen Toten, die dieser Krieg dann verursacht hat, ist das politisch verantwortungslos, und das im buchstäblichen Sinne.

Es folgen rund 40 Seiten mit den üblichen revisionistischen Ausführungen zum Weg in den zweiten Weltkrieg, einschließlich der Frage nach der Rechtmäßigkeit des deutschen Einmarschs in die Sowjetunion. Ich erspare mir die detaillierte Analyse. Die Argumente des Revisionismus sind an anderer Stelle im Internet ausführlich genug behandelt.

Ich beschränke mich auf einen kurzen Ausschnitt aus der Mitte dieser Ausführungen, Seite 168/169

„Die neue Weltmacht seit Versailles, von der alle anderen im höchsten Maße abhingen, waren die USA, und wer die größte Macht hat, hat auch die größte Verantwortung. In diesem Sinne haben die Amerikaner die Hauptverantwortung am Zweiten Weltkrieg. Aber auch Engländer und Franzosen trifft noch genügend Schuld, die sich potenziert, wenn wir deren Verantwortung für den Versailler Vertrag miteinbeziehen.“ (Fettdruck im Original)

Diese Aussage ist eine politische Geisterbahnfahrt erster Klasse. Diese Schuldzuweisung ist absurd. Und mit ihr kann man in Deutschland keine verantwortungsvolle Politik machen. Allein für diese Aussage müsste sich die AfD von Gedeon trennen.

Diese Schuldzuweisung ist in sich noch nicht antisemitisch. Sie wird es aber über das eingangs genannte Zitat aus dem Anfang von Kapitel 5.2. Noch einmal O-Ton Gedeon:

W.G.Meister: „Allein schuldig“ sicherlich nicht, und auch die Frage der Hauptschuld scheint mir nicht so eindeutig, wie es die offizielle, im wesentlichen vom Zionismus diktierte Version vorgibt.

Auch wenn mir bei der Lektüre der Trilogie bisher noch nicht aufgegangen ist, wie die Zionisten diesen Trick durchgezogen haben sollen, so wird durch diesen Satz von Gedeon aus einer politisch verantwortungslosen Geisterbahnfahrt eine handfeste antisemitische Aussage. Nicht nur macht er die Alliierten für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich. Nein, er macht auch noch die Zionisten (und damit im Grunde die Juden) dafür verantwortlich, dass diese es hinterher geschafft hätten, stattdessen den Deutschen diese Schuld angelastet zu haben. Und das ist skandalös.