die Empörung beweist die Echtheit?

In dem Kapitel „Was hat es mit den »Protokollen der Weisen von Zion« auf sich?“ nennt Gedeon drei Argumente, die seiner Meinung nach für die Echtheit der „Protokolle“ sprechen. Das dritte:

„Das dritte Argument gegen den Fälschungscharakter des Werkes liegt in der geradezu hysterischen Reaktion, die die Protagonisten des Zeitgeists bei diesem Thema an den Tag legen.“

Aus der Art und Abfolge der drei Argumente, die Gedeon nennt, entnehme ich, dass er dieses Argument von den dreien für das wichtigste und zugkräftigste hält. Aber was heißt das? Da gibt es eine Schrift, die den Juden, oder zumindest einem einflussreichen Gremium von jüdischen Führungspersönlichkeiten eine zionistische Weltverschwörung unterstellt. Hochrangige jüdische Persönlichkeiten und überhaupt ein Bündnis der Anständigen distanziert sich empört von diesen Vorwürfen. Und gerade diese Empörung über die Vorwürfe soll jetzt das wichtigste Argument für die Echtheit der Schrift sein?

Dieser Gedankengang ist hochgradig antisemitisch. Und ich möchte das anhand einer Passage aus einer anderen antisemitischen Schrift belegen, die analog argumentiert.

„Wie sehr das ganze Dasein dieses Volkes auf einer fortlaufenden Lüge beruht, wird in unvergleichlicher Art in den von den Juden so unendlich gehaßten „Protokollen der Weisen von Zion“ gezeigt. Sie sollen auf einer Fälschung beruhen, stöhnt immer wieder die „Frankfurter Zeitung“ in die Welt hinaus: der beste Beweis dafür, daß sie echt sind.“

Also: je mehr man sich von den „Protokollen“ distanziert, desto klarer beweist man, dass sie echt sind. Derselbe Gedanke, dieselbe Argumentation wie bei Dr. Gedeon.

Wer steht für diese Idee Pate?

(Wobei ich Herrn Gedeon nicht unterstellen will, dass diese Patenschaft direkt ist. Sie kann natürlich auch anderweitig durch die „antizionistische“ Szene bis zu ihm hindurchdiffundiert sein.)

Vielleicht hat der geneigte Leser schon erraten, woher dieses Zitat stammt? Es stammt aus Hitlers „Mein Kampf“ Seite 337 (Seitennummer, nicht Seite der PDF-Datei) aus dem Scan der Ausgabe von 1936 bei archive.org, Link via Wikipedia Direkt verlinken möchte ich auf dieses Machwerk nicht.

Was anderes als antisemitisch ist diese Argumentation? Wenn man sich von den Protokollen distanziert, beweist man die Echtheit. Und wenn man sich nicht distanziert? Was dann? Ich vermute, dann würde man in seinen Augen auch damit die Echtheit beweisen. Dieses perfide Spiel kann man gegen Herrn Gedeon nicht gewinnen.

Antisemitisch? Meiner Meinung nach ist das ja auf diese Frage offensichtich.