Zionisten vs. Nazis

In seinem „Grünen Kommunismus“ schreibt Gedeon (Position 3389 von 5295 der Digitalausgabe von Amazon):

Dabei stimmt nicht einmal das, denn diese Schrift [Anm: gemeint ist das Buch von Gedeon] ist nicht antisemitisch, sondern antizionistisch, wie schon aus dem Titel ersichtlich. Der Vorwurf der »Weltverschwörung« richtet sich nicht gegen die Juden als Gesamtkollektiv, was man als »antisemitisch« bezeichnen könnte. Wie man aber einen Unterschied zwischen »nationalsozialistisch« und »deutsch« machen muss, so auch zwischen den Begriffen »zionistisch« und »jüdisch«, und wer den Begriff »Tätervolk« ablehnt, muss in gleicher Weise auch den Begriff »jüdische Weltverschwörung« verwerfen.

An der Diskussion des Begriffs „Tätervolk“ ist im Jahre 2003 schon Martin Hohmann gescheitert und mir liegt auf der Zunge, Herrn Gedeon, der sich selbst für einen Philosophen hält, den alten lateinischen Spruch entgegenzuhalten „Si tacuisses…„.

Der Kontext des Zitats ist die Diskussion der „Protokolle der Weisen von Zion“. Konkret geht es Gedeon hier um den von ihm gepflegten Unterschied zwischen antisemitisch (=verwerflich) und antizionistisch (=politisch geboten). Eine philosophische (?) Haarspalterei, die ich an anderer Stelle noch weiter betrachten werde.

Aber schauen wir genau hin.

ad 1: die zionistische Weltverschwörung

Zum einen verwendet Gedeon hier den Begriff der „Weltverschwörung“, die seiner Meinung nach eben keine jüdische (Kursivdruck im Original) ist. Aber zumindest eine zionistische. Deshalb ist dieses Zitat so wichtig. Es belegt, dass Gedeon tatsächlich von einer politischen Verschwörung globalen Ausmaßes ausgeht, die seinem Weltbild zugrunde liegt. Wenn es Zionisten, also einer (nicht zu vernachlässigende Teilmenge der Juden) gelingt, eine Weltverschwörung anzuzetteln und weit voranzutreiben, dann ist ja jeder Jude mindestens potenziell ein Verschwörer. Und das kann ja nur eine Folge haben: Ressentiments gegenüber Juden zu befördern. Und natürlich ist das antisemitisch.

ad 2: Zionisten = Nazis

Zum zweiten verwendet Gedeon hier eine hochgradig problematische Gleichsetzung, über die man eventuell hinwegliest, weil man gedanklich eher bei dem schon von Hohmann thematisierten Begriff des Tätervolks hängenbleibt. Deshalb hier noch einmal zum genauen Mitlesen:

Wie man aber einen Unterschied zwischen »nationalsozialistisch« und »deutsch« machen muss, so auch zwischen den Begriffen »zionistisch« und »jüdisch«,

Also: deutsch verhält sich (nach Gedeon) zu nationalsozialistisch wie jüdisch zu zionistisch. Oder anders formuliert: Zionisten sind Nazis.
Kann man diesen Satz lesen, ohne die Ungeheuerlichkeit dieser Anschuldigung zu bemerken? Gibt es zum Antisemitismus dieser Aussage von Gedeon noch Fragen?